Arthrose ist eine chronische degenerative Gelenkerkrankung, die bei Katzen lange unterschätzt wurde. Inzwischen zeigen Studien, dass ältere Katzen sehr häufig arthrotische Veränderungen aufweisen. Anders als bei vielen Hunden zeigt sich Arthrose bei Katzen selten durch offensichtliches Hinken. Stattdessen verändert sich meist das Aktivitäts- und Bewegungsverhalten.

Zu den frühen Symptomen gehören selteneres Springen, Zögern vor Höhenunterschieden, längeres Liegen, reduzierte Spielfreude und veränderte Nutzung von Möbeln oder Kratzmöglichkeiten. Manche Katzen putzen bestimmte Körperregionen schlechter, weil Drehbewegungen oder das Heben der Hintergliedmaßen schmerzhaft werden. Andere wirken reizbarer oder möchten weniger angefasst werden. Forschung legt nahe, dass chronischer Schmerz bei Katzen häufig eher zu Vermeidungsverhalten als zu auffälliger Schmerzäußerung führt.

Biologisch kommt es bei Arthrose zu einem Abbau des Gelenkknorpels, Veränderungen an Gelenkkapsel und Knochen sowie entzündlichen Prozessen im Gelenk. Diese Kombination reduziert die Stoßdämpfung, verändert die Mechanik und verursacht Schmerzen, besonders bei Belastung oder nach Ruhephasen. Die Katze passt ihre Bewegung daraufhin an. Genau diese Anpassung ist oft das erste sichtbare Zeichen.

Die Diagnose ist nicht immer einfach, weil Katzen im Untersuchungsraum ihre gewohnten Bewegungsmuster nicht zuverlässig zeigen. Eine gute Anamnese, Videoaufnahmen aus dem Alltag, orthopädische Untersuchung und gegebenenfalls Röntgen sind hilfreich. Allerdings korrelieren radiologische Veränderungen nicht immer direkt mit dem subjektiven Schmerzgrad. Deshalb ist die klinische Einordnung entscheidend.

Die Behandlung umfasst meist multimodales Schmerzmanagement, Gewichtsoptimierung, Bewegungsanpassung und Umweltmodifikation. Je nach Fall können entzündungshemmende oder schmerzlindernde Medikamente sinnvoll sein. Ebenso wichtig ist es, der Katze Alltagshürden zu nehmen: niedrigere Einstiege, Rampen, leicht erreichbare Liegeplätze und Toiletten mit bequemem Zugang können den Unterschied deutlich spürbar machen.

Im Vergleich zu neurologischen Erkrankungen zeigen beide Gruppen Bewegungsveränderungen. Bei Arthrose dominieren jedoch Schmerz und mechanische Einschränkung, während neurologische Erkrankungen eher Koordinationsstörungen, Schwäche oder Fehlstellungen verursachen können. Diese Unterscheidung ist klinisch relevant, weil Halter häufig nur wahrnehmen, dass die Katze „nicht mehr so springt wie früher“.

Frühwarnzeichen sind weniger Springen, zögerliches Aufstehen, weniger Fellpflege an Rücken oder Hinterhand, Verhaltensänderungen und reduziertes Spiel. Typische Fehler von Haltern bestehen darin, diese Veränderungen vollständig dem Alter zuzuschreiben oder anzunehmen, die Katze sei einfach ruhiger geworden. Neutral betrachtet ist das nachvollziehbar, weil Arthrose bei Katzen oft nicht so dramatisch wirkt wie erwartet.

Die Prognose ist chronisch, aber mit gutem Management oft deutlich verbesserbar. Entscheidend ist, Schmerzen ernst zu nehmen, auch wenn die Katze nicht offensichtlich leidet. Gute Unterstützung bedeutet hier vor allem, die Umwelt an die veränderten Möglichkeiten der Katze anzupassen und Schmerz nicht erst dann zu vermuten, wenn er sehr deutlich wird.